Ist Familienaufstellung wissenschaftlich belegt?

27.03.2026 | Familie & Beziehung | 0 Kommentare

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Das Wichtigste in Kürze

  • Eine eindeutige wissenschaftliche Belegung der Familienaufstellung gibt es bislang nicht – die Forschungslage ist dünn.
  • Das bedeutet aber nicht, dass die Methode nicht wirkt. Fehlende Evidenz ist nicht dasselbe wie bewiesene Wirkungslosigkeit.
  • Verwandte Ansätze aus der Systemtherapie und Erkenntnisse aus der Neurobiologie liefern plausible Erklärungsmodelle.
  • Entscheidend ist die Qualität der Begleitung – nicht allein die Datenlage.

Ist eine Familienaufstellung gefährlich?

Ich sage es gleich am Anfang, damit wir keine Zeit verlieren: Nein, die Familienaufstellung ist nicht im selben Sinne wissenschaftlich belegt wie etwa die kognitive Verhaltenstherapie. Es gibt keine großen randomisierten Studien, die ihre Wirksamkeit mit der Sicherheit beweisen, die die evidenzbasierte Medizin fordert.

Das ist die ehrliche Antwort. Und ich finde, sie verdient es, klar ausgesprochen zu werden – anstatt sie hinter vagen Formulierungen zu verstecken oder gleich in die Defensive zu gehen.

Aber damit ist die Frage noch nicht vollständig beantwortet. Denn zwischen „wissenschaftlich eindeutig belegt“ und „wirkungslos“ liegt ein großes Feld. Und genau in diesem Feld ist die Familienaufstellung einzuordnen. Das möchte ich in diesem Artikel tun – so sachlich und so ehrlich wie möglich.

Stand der Forschung

  • Einzelstudien und Pilotprojekte: Es gibt kleinere Studien, die positive Effekte von Aufstellungsarbeit auf das Wohlbefinden der Teilnehmenden beschreiben. Methodisch sind diese Studien jedoch häufig angreifbar – zu kleine Stichproben, fehlende Kontrollgruppen, subjektive Selbsteinschätzung als Hauptmaß.
  • Repräsentationale Wahrnehmung: Das Phänomen, dass Stellvertreter:innen in Aufstellungen Körperempfindungen beschreiben, die mit den repräsentierten Personen in Verbindung stehen, wurde in Studien von Albrecht Mahr und später von Matthias Varga von Kibéd untersucht. Die Ergebnisse sind interessant – eine abschließende wissenschaftliche Erklärung steht aus.
  • Neurobiologische Anknüpfungspunkte: Erkenntnisse aus der Epigenetik, der Traumaforschung und der Körperpsychotherapie liefern plausible Erklärungsmodelle dafür, warum sich transgenerationale Muster körperlich manifestieren können. Peter Levines Arbeit zu Traumareaktionen im Körper, Bessel van der Kolks Forschung zum körperlichen Gedächtnis oder die Ergebnisse zur epigenetischen Weitergabe von Stressreaktionen passen gut zur Praxis der Aufstellungsarbeit – beweisen sie aber nicht direkt.
  • Systemische Forschung allgemein: Die Grundannahme, dass Menschen in Systemen leben und dass Veränderungen an einem Teil des Systems andere Teile beeinflussen, ist in der systemischen Therapie und Familienforschung gut belegt. Die Aufstellungsarbeit baut auf dieser Grundannahme auf.

Probleme, die auf mehr als einer Ebene entstanden sind, lassen sich oft nicht auf einer Ebene allein lösen.

Jana Lex

Kritik aus der Wissenschaft

Die wissenschaftliche Kritik an der Familienaufstellung ist berechtigt und sollte nicht kleingeredet werden. Ich nehme sie ernst – auch weil ich finde, dass ein gesundes Maß an kritischem Denken in keinem Beratungsformat fehl am Platz ist.

Das methodische Problem

Aufstellungsarbeit ist notorisch schwer zu untersuchen. Was in einer Aufstellung passiert, ist hochgradig individuell, stark von der begleitenden Person abhängig und entfaltet seine Wirkung oft erst in den Wochen nach der Sitzung. Das macht kontrollierte Studien, die die Methode isoliert und reproduzierbar messen wollen, extrem schwierig – methodisch fast unmöglich in dem Sinne, wie wir Medikamentenstudien durchführen.

Das ist kein Argument für die Methode. Aber es ist eine Erklärung dafür, warum die Forschungslage dünn ist – nicht nur, weil niemand forschen will, sondern weil das Phänomen selbst der klassischen Laborlogik widersteht.

Das Suggestionsproblem

Ein weiterer berechtigter Einwand: Ist das, was in einer Aufstellung entsteht, nicht einfach Suggestion? Erleben Teilnehmende Veränderungen, weil sie sie erwarten? Und interpretieren Aufstellungsleiter:innen die Empfindungen der Stellvertreter:innen in eine Richtung, die ihrem eigenen Weltbild entspricht?

Ich wäre naiv, wenn ich sagte, das sei vollständig ausgeschlossen. Jede Form von Beratung und Therapie enthält einen Placebo-Anteil. Die Frage ist nicht, ob Erwartungen eine Rolle spielen, sondern ob das, was darüber hinaus passiert, messbar ist. Und da bleibt die Forschung bislang eine eindeutige Antwort schuldig.

Das Abgrenzungsproblem

Die Familienaufstellung wird von sehr unterschiedlichen Menschen angeboten – von seriös ausgebildeten systemischen Berater:innen bis hin zu Menschen ohne jede Fachausbildung, die die Methode mit esoterischen Überzeugungen vermischen. Das macht eine wissenschaftliche Einschätzung zusätzlich schwierig: Welche Art von Aufstellung wird eigentlich untersucht? Unter welchen Bedingungen? Von wem durchgeführt?

Diese fehlende Standardisierung ist ein echtes Problem – für die Forschung und für die Praxis gleichermaßen.

Praktische Wirksamkeit – was die Praxis zeigt

Hier möchte ich ehrlich sein über das, was ich aus meiner eigenen Arbeit berichten kann. Nicht als wissenschaftlichen Beweis – sondern als das, was es ist: Praxiserfahrung.

Ich habe in meiner Arbeit als systemische Beraterin Menschen begleitet, die sich in einer Situation, die sich seit Jahren nicht verändert hatte, nach einer einzigen Aufstellung neu orientieren konnten. Ich habe Eltern erlebt, deren Kinder sich – ohne dass sie selbst an der Aufstellung beteiligt waren – in den Wochen danach spürbar verändert haben. Ich habe Menschen erlebt, die nach einer Sitzung zum ersten Mal über einen Verlust weinen konnten, der jahrzehntelang nicht betrauert werden durfte.

Das sind keine Studien. Das sind Erfahrungen. Und ich hüte mich davor, daraus mehr zu machen als das. Aber ich hüte mich genauso davor, so zu tun, als wären sie nichts.

Was plausibel erklärbar ist

Auch ohne klare Wirksamkeitsstudien gibt es Erklärungsansätze, die das, was in einer Aufstellung passiert, plausibel machen:

  • Körpergedächtnis: Die Forschung von Bessel van der Kolk zeigt, dass Traumata und belastende Erfahrungen nicht nur kognitiv, sondern körperlich gespeichert werden. Die Aufstellungsarbeit, die körperliche Wahrnehmung aktiv einbezieht, setzt genau dort an.
  • Epigenetik: Studien zur epigenetischen Weitergabe von Stressreaktionen – etwa bei Nachkommen von Holocaust-Überlebenden – zeigen, dass traumatische Erfahrungen biologische Spuren hinterlassen können, die über Generationen weiterwirken. Das ist noch kein Beweis für die Aufstellungsarbeit, aber es macht das Konzept transgenerationaler Übertragung weniger mystisch.
  • Systemische Wirkung: Dass Veränderungen bei einer Person ein System insgesamt in Bewegung bringen können, ist aus der systemischen Familientherapie gut dokumentiert.
  • Wirkfaktor Beziehung: Die Forschung zur Psychotherapie zeigt konsistent, dass die therapeutische Beziehung einer der stärksten Prädiktoren für Wirksamkeit ist – mehr noch als die spezifische Methode. Eine gute Aufstellungsleitung, die Sicherheit und Präsenz verknüpft, schafft genau diesen Rahmen.

Noch Fragen? Dann lass uns einfach sprechen.

Im kostenlosen Kennenlerngespräch beantworte ich deine Fragen – zur Methode, zur Wirksamkeit und ob sie zu deinem Thema passt.

Einordnung: Was bedeutet das für dich?

Wenn du dich fragst, ob eine Familienaufstellung etwas für dich ist, dann ist die Frage nach der wissenschaftlichen Belegung zwar verständlich – aber vielleicht nicht die entscheidende.

Es gibt Methoden mit exzellenter Studienlage, die für bestimmte Menschen trotzdem nicht wirken. Und es gibt Methoden, deren Wirksamkeit noch nicht ausreichend erforscht ist, die aber vielen Menschen in konkreten Lebenssituationen helfen. Die Aufstellungsarbeit gehört derzeit in die zweite Kategorie.

Was ich dir mitgeben möchte:

  • Wenn du eine Methode suchst, die wissenschaftlich eindeutig belegt ist, dann ist die Familienaufstellung nicht der erste Griff. Dann ist eine klassische Verhaltenstherapie oder systemische Therapie möglicherweise die bessere Wahl – und ich sage dir das ohne schönzureden.
  • Wenn du das Gefühl hast, dass hinter deinem Thema mehr steckt, als du rational erfassen kannst – wenn Gespräche und Analyse immer wieder an derselben Stelle landen – dann kann eine Aufstellung ein Zugang sein, den andere Methoden so nicht bieten.
  • Und wenn du unsicher bist: Lass uns einfach sprechen. Ein Kennenlerngespräch ist genau dafür da.

Was ich nach Jahren in dieser Arbeit sagen kann: Es gibt Menschen, für die die Familienaufstellung der erste Moment war, in dem sich wirklich etwas verändert hat – nach Jahren von Gesprächen, Therapie und Büchern. Und es gibt Menschen, für die andere Wege besser gepasst haben. Beides ist in Ordnung.

Was nicht in Ordnung ist: so zu tun, als ob eine Methode, weil sie noch nicht ausreichend erforscht ist, per se wertlos ist. Genauso wenig wie so zu tun, als ob Erfahrung und Intuition allein ausreichen, ohne sich kritischen Fragen zu stellen.

Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen.

FAQs – Familienaufstellungen und Wissenschaft?

Ist systemische Therapie dasselbe wie Familienaufstellung?

Nicht ganz. Die systemische Therapie ist ein breit anerkanntes, wissenschaftlich untersuchtes Verfahren. Die Familienaufstellung ist eine spezifische Methode, die aus dem systemischen Denken entstanden ist – aber eigene Besonderheiten hat, die eine eigene Forschung erfordern würden.

Warum gibt es so wenige Studien zur Familienaufstellung?

Weil die Methode schwer standardisierbar ist. Was in einer Aufstellung passiert, hängt stark von der begleitenden Person, dem Anliegen und dem Kontext ab. Klassische Studiendesigns, die eine Methode isoliert und reproduzierbar messen wollen, stoßen hier methodisch an ihre Grenzen.

Kann ich eine Familienaufstellung machen, wenn ich gleichzeitig in Therapie bin?

Ja – und es kann sinnvoll sein, das mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten zu besprechen. Aufstellungsarbeit und Therapie schließen sich nicht aus, sondern können sich gut ergänzen.

Ist Epigenetik ein Beweis für die Wirksamkeit von Familienaufstellungen?

Nein. Epigenetische Forschung zeigt, dass Erfahrungen biologische Spuren hinterlassen können, die über Generationen wirken. Das macht das Konzept transgenerationaler Übertragung plausibel – es beweist aber nicht direkt, dass Familienaufstellungen diese Muster verändern.

Sollte ich eine Familienaufstellung machen, wenn ich skeptisch bin?

Gesunde Skepsis ist kein Hindernis – im Gegenteil. Wer mit offenen Augen in eine Aufstellung geht und sich gleichzeitig einlassen kann, macht oft die interessantesten Erfahrungen. Wer dagegen überzeugt ist, dass sowieso nichts passieren wird, tut sich und dem Prozess keinen Gefallen.

Wie finde ich heraus, ob die Methode etwas für mich ist?

Am einfachsten über ein Kennenlerngespräch. In 20 Minuten kannst du dein Anliegen schildern, Fragen stellen und spüren, ob sich der Ansatz für dich stimmig anfühlt. Das kostet nichts und verpflichtet zu nichts.


Jana Lex - Coaching für Raum und Seele, Systemische Beratung und Feng Shui

Über die Autorin

Ich bin Jana Lex, Sonderpädagogin, Lehrerin, Dozentin, ausgebildete systemische Beraterin (DGsP) und Feng Shui Expertin, Ehefrau und 3-fach-Mama.

Mit meinen Coaching-Angeboten möchte ich Räume öffnen – im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Dafür habe ich meine einzigartige Methode entwickelt:


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